Machen Sie öfter die Erfahrung, dass Sie nach Gesprächen mit einer Ihnen nahestehenden Person verletzt oder verwirrt zurückbleiben? Dass Sie auf­gewühlt sind und ständig darüber nachdenken, was Ihr Gesprächs­partner eigentlich meint, ohne zu einem schlüssigen Ergebnis zu kommen?

 

Traumatisierung durch Narzissten in Ehen oder familiären Beziehungen

In einem früheren Blog-Artikel habe ich über das Trauma und seine Symptome geschrieben. Dabei habe ich auf das erhebliche Potential für Traumatisierungen in Ehen/Paarbeziehungen oder Familien hingewiesen. Die Wahrscheinlichkeit eines Bindungstraumas ist dann besonders hoch, wenn Ihr Partner oder ein Familienmitglied Narzisst ist.

 

Was ist ein Narzisst?

Ein Narzisst ist eine Person mit einer schwerwiegenden Persönlichkeitsstörung, der sog. narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS). Das wesentliche Merkmal dieser Störung ist, dass die betroffenen keine Empathie haben. Damit fehlt ihnen die Fähigkeit, sich in ihre Mitmenschen einzufühlen, mit ihnen zu fühlen, Mitleid zu empfinden. Menschen mit dieser Störung können das Leid, das sie anderen zufügen, selbst nicht fühlen. Gleichwohl „nähren“ sie sich am Leid der anderen, weil ihnen dies das Gefühl von Macht gibt. Der Narzisst stabilisiert seine schwache Identität dadurch, dass er seine Mitmenschen destabilisiert. Er braucht „narzisstische Zufuhr“ zur eigenen Selbstregulation und beschafft sie sich dort, wo er sie am ehesten bekommen kann. Bei seinen nahen Angehörigen. Die Versuche der Narzissten, ihre engsten Angehörigen emotional zu destabilisieren, können von sehr subtilen Manipulationen – hier eine kleine Zweideutigkeit oder ein spöttischer Blick, da eine kleine als Scherz verpackte Bosheit – über das vollständige Ignorieren des Partners bis hin zu den entsetzlichsten Demütigungen reichen. Betroffene finden meist „Entschuldigungen“ und Erklärungen für das Verhalten des Narzissten, weil sie das Unglaubliche nicht glauben können. Zur traurigen Wahrheit gehört: Ein Mensch mit NPS ist nicht zu Liebe oder anderen tieferen Gefühlen fähig und auch nicht daran interessiert. Die Grenze zur Psychopathie/Soziopathie ist – je nach Ausprägung der Störung – fließend.

 

Traumatisierung durch erhebliche seelische Gewalt bis hin zum Suizid

Menschen mit NPS sind zu erheblicher seelischer und auch körperlicher Gewalt fähig. Nicht selten erleiden ihre Angehören/Ehepartner nach lang anhaltendem narzisstischen Missbrauch eine Posttraumatische Belastungs­störung. Auch Angststörungen und Depressionen sind möglich. Viele Opfer von Narzissten begehen sogar Selbstmord. Das Dramatische ist, dass den Opfern von Therapeuten oder anderen Bezugspersonen oft nicht geglaubt wird, weil der Narzisst sein Verhalten an die jeweilige Situation anpasst und Außenstehenden gegenüber äußerst charmant und gewinnend auftreten kann.

 

Körperliche Folgen möglich

Durch die permanente seelische Belastung schaltet der Körper auf eine Art „Notfall-Modus“ mit einer stetigen Alarmbereitschaft um. Folgen davon sind steigender Blutdruck, eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen und eventuelle Folgeerkrankungen.

 

Erste Hilfe

Wenn Sie den Verdacht haben, dass jemand aus Ihrem näheren Umfeld eine narzisstische Persönlichkeits­störung hat, versuchen Sie, sich soweit wie möglich abzugrenzen. Gehen Sie am besten nicht auf Provokatio­nen ein, denn einen Streit mit einem Narzissten können Sie nicht gewinnen. Sie werden nur weiter verletzt. Sorgen Sie gut für sich selbst. Versuchen Sie, zur Ruhe zu kommen, Ihre Gedanken zu ordnen und ihre geistige Klarheit wiederzufinden. Suchen Sie sich bei Bedarf Hilfe bei einem Therapeuten, der weiß, wovon Sie reden.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Ich freue mich sehr über einen Kommentar!

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