Unter Bindung versteht man allgemein eine enge emotionale Beziehung zwischen zwei Menschen. In der Psychologie bezieht sich der Begriff der Bindung zumeist auf die Beziehung des Kindes zur Mutter oder einer anderen engen Bezugsperson, also auf die erste enge Beziehung, die ein Mensch in seinem Leben eingeht. Das Bindungsmuster, das das Kind in seiner Beziehung zur ersten Bezugsperson erlebt hat, wiederholt sich in der Regel in allen späteren Beziehungen.

 

Was ist eine sichere Bindung

Eine sichere Bindung zeigt sich u. a. darin, dass ein Kind bei subjektiv wahrgenommener Gefahr Schutz und Hilfe bei seiner Mutter (oder anderen Bezugsperson) sucht und dann von ihr geschützt und getröstet wird. Reagiert die Mutter regelmäßig in verlässlicher und angemessener Weise auf das Kind, so entsteht in der Regel eine sichere Bindung. Auf der Basis einer solchen Bindung entwickelt das Kind im Laufe der Zeit ein Urvertrauen zu sich selbst, zu anderen und zum Leben. Von einer solchen sicheren Basis aus kann das Kind seine Umgebung erkunden und seine eigene innere Welt als Pendant zur äußeren Welt aufbauen. Ein Kind mit einer sicheren Bindung ist gut für das Leben gerüstet und bei späteren Krisen und traumatischen Erlebnissen in der Regel weniger verletzlich und anfällig als ein unsicher gebundenes Kind.

Unsichere Bindung und ihre Folgen

Eine unsichere Bindung eines Kindes zu seiner Mutter (oder anderen Bezugsperson) zeigt sich z.B. darin, dass ein Kind seine Mutter abwehrt, wenn sie das Kind trösten will, oder darin, dass das Kind gestresst auf eine Trennung von der Mutter reagiert. Sie entsteht häufig dann, wenn die Mutter (oder andere Bezugsperson) dauerhaft nicht verlässlich, nicht angemessen oder ambivalent auf Äußerungen des Kindes reagiert. Gründe hierfür können Traumatisierungen oder psychische Störungen oder Belastungen der Mutter sein. Dem Kind fehlt die Erfahrung, dass sich die Bezugsperson zuverlässig und angemessen ihm zuwendet und es schützt. Ihm fehlt meist auch die Erfahrung, als Person wahrgenommen und ernst genommen zu werden.

Bewältigungsstrategien

Das Kind wird in einer unsicheren Bindungssituation in seinen ureigenen Bedürfnissen frustriert und entwickelt so Bewältigungsstrategien, um seine Gefühlswelt und sein Nervensystem selbst zu regulieren. Eine Form der Bewältigungsstrategie ist die Suche nach einer anderen „sicheren Basis“. So gibt es z.B. Hinweise darauf, dass Sucht nach psychotropen Substanzen (Alkohol, Drogen) oder Substanzmittelmissbrauch ein Bewältigungsversuch von Bindungsunsicherheit ist. Die Affektregulierung erfolgt hier auf „chemischem“ Wege. Als weitere Bewältigungsstrategien bzw. Kompensationen einer unsicheren Bindung können substanzmittelunabhängige Abhängigkeitserkrankungen (z.B. Spielsucht, Internetsucht) und Essstörungen aufgefasst werden.

Mehr zu diesen Zusammenhängen zwischen Bindung und psychischen Störungen erfahren Sie in meinen weiteren Blogartikeln.

 

 

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